Friedrich II. Erbauer der Burg
Fundorte/Literatur
Burg Fleckenstein von Fritz Eyer, 1971
Gründe für Burgenbau und Herrschaftsbildung:
digi.ub.uni-heidelberg.de /diglit/ biller 1985,
Peter Müller: Die Herren von Fleckenstein im späten
Mittelalter. Untersuchungen zur Geschichte
eines Adelsgeschlechts im pfälzisch-elsässischen
Grenzgebiet (Geschichtliche Landeskunde, 34),
Stuttgart 1990.
Hinweis:
Veröffentlichungen oder Auszüge sind unter der
Voraussetzung der Quellenangabe gerne gestattet.
Form der Quellenangabe, Druckwerke/PDF usw.:
Name des Autors: Peter Müller-Helbling
Titel des Werks: Die Wegelnburg
Einige, in der heutigen Südpfalz und im Elsass errichtete Burgen,
verdanken ihre Gründung dem Umstand, dass Friedrich II. von
Schwaben, ein Staufer, im Jahre 1100 die Vogtei über das
Reichskloster Weißenburg erwerben konnte. Verbunden war damit
eine umfangreiche Grundherrschaft, dies führte jedoch noch nicht
zum Bau der Wegelnburg.
Der genaue Zeitpunkt des Baubeginns der Wegelnburg ist - wie bei
vielen Burgengründungen - unbekannt. Die erste Hälfte des 13. Jh.
war der Höhepunkt des Burgenbaues, um 1200 hatte das Abendland
eine Wachstumsphase hinter sich, die wirtschaftlichen
Voraussetzungen waren gut, Geld spiele eine wachsende Rolle,
Zinsen, Steuern und Abgaben wurden zwar noch mehrheitlich in
Naturalien entrichtet, aber teilweise auch schon in Geld.
Federico
1212 bricht Friedrich, genannt Federico, aus Sizilien nach
Deutschland auf. Abenteuerlicher holte sich nie ein König sein Reich -
waffenlos, geldlos, siebzehn Jahre alt. Drei Monate braucht der junge
Staufer für die Eroberung des südlichen deutschen Reiches zwischen
Burgund und Böhmen. Dann war Federicos Lieblingssitz in
Deutschland die Pfalz in Hagenau, mindestens 24-mal besuchte der
Süditaliener seine dortige Residenz. Längere Zeit hielt er sich in den
Herbst- und Wintermonaten 1215/16, sowie der Winter- und
Frühjahrszeiten in den Jahren 1218, 1219 und 1220, dort auf.
Die Pfalz in Hagenau
Hagenau liegt nahezu im Zentrum der Zaberner Bucht, der die
Stadt umgebende Heilige Forst (Forêt de Haguenau) ist das größte
geschlossene Waldgebiet in der elsässischen Ebene und war das
Jagdgebiet der Herzöge von Schwaben. Zu Beginn des 12.
Jahrhunderts ließ Herzog Friedrich der Einäugige im Flüsschen
Moder eine Wasserburg errichten, die sein Sohn, Kaiser Friedrich I.
Barbarossa, zu einer Pfalz ausbaute. Bereits 1164 hatte Kaiser
Friedrich Barbarossa den von ihm als Residenz sehr geschätzten
Ort zur Stadt erhoben. Im 13.Jh. wurde Hagenau zu einer der
bevölkerungs- und flächenmäßig größten Städte des Elsasses.
1216 lässt Friedrich seine Frau Konstanze und seinen Sohn
Heinrich mit deutlich politischer Absicht nach Deutschland
kommen. Friedrich mühte sich wo immer sich Gelegenheit dazu
bot, Besitz und Rechtsstellung seiner staufischen Vorgänger wieder
in seine Hand zu bekommen, diese Basis durch zusätzliche
Gewinne zu erweitern unddas Ganze durch eine leistungsfähige
Administration zusammenzuhalten und zu nützen. Das staufische
„Reichssteuerverzeichnis“ von 1241 zeigt, dass Friedrich II. jährlich
ca. 1250 Silbermark aus dem Elsass bezog, d.h. mehr aus jeder
anderen deutschen Provinz (MGH Const. III,S. S 2-5 (hier 3). Dazu
Abbildung vor der Zerstörung durch die Truppen
des französischen Generals Joseph de Montclar 1687
Die erste Erwähnung
Die Wegelnburg als Anlage tritt erstmals 1247 in das Licht der
Geschichte. Damals verlieh Konrad IV., der einzige Sohn von
Kaiser Friedrichs II., der formal seinen Vater vertrat und dessen
zweiter Ehefrau Isabella von Brienne, der Königin von Jerusalem,
an Graf Friedrich II. von Leiningen, das Dorf Sankt Paul bei
Weißenburg und die Lehen, die zuvor ein B. (Berthold?) de
Waeglenburc, der kinderlos gestorben war, besessen hatte. Die
Erwähnung dieser Verleihung, durch den Sohn von Friedrich II., ist
ein weiteres Indiz, dass die Wegelnburg und der Staufer Friedrich
II. (genannt Federico), in Zusammenhang stehen. Schulte, zu dem
neugefundenen Verzeichnis der Steuern des Reichsgutes vom
Jahre 1241, in ZGO 52, 1898, S. 425-440, hier 430). Aber nicht nur
Geldgeschäfte sondern auch die Verpfändung, oder die Leibrente
bürgerten sich zu dieser
Zeit ein, auch die Burglehen gehörten dazu. Diese bestanden oft
entweder aus einer Geldsumme, oder aus einer wiederkäuflichen
Rente. (s. unten, 1.4.5. und Maurer, Rechtsverhältnisse, hier 157-
165). Rentenburglehen waren dabei nur ein Notbehelf im
Vergleich mit der Besoldung von Burgbesatzungen, weil ein Lehen
stets eine Vorauszahlung für noch nicht geleistete Dienste war,
und weil das Lehnswesen sich immer, besonders im Fall der
Burglehen, sich zum Nachteil der Lehnsherren entwickelte.
Friedrich II. scheute sich auf jeden Fall nicht, um an liquide Mittel
zu gelangen, bei Bedarf Besitztümer zu verpfänden, so bereits
1213 Rosheim, ca. 30 km südwestlich von Straßburg, welches er
an den Herzog von Lothringen für 1000 Silbermark verpfändete.
(Huillard I/I, S.222; RI V/1, Nr. 674).
Friedrich II. nutzte überhaupt alle vorgenannten Möglichkeiten
und bewies damit dass er einerseits das nötige Geld hatte seinen
Besitz zu mehren, andererseits seine Bareinkünfte anscheinend
nicht ausreichten, um regelmäßig Sold zu zahlen.
Als Baumeister hinterließ Friedrich II. der Welt ein riesiges
architektonisches Erbe, welches über das gesamte südliche Italien
und seinem nordalpinen Reichsteil verstreut ist. Er ließ durch
zahlreiche Bauwerke seine Herrschaft vergegenwärtigen und
sichern. Nach neueren Forschungen, sind im sizilischen Reich von
dem Jahr der Kaiserkrönung 1220, bis zum Tod des Staufers 1250,
287 Bauwerke ausgebaut oder neu errichtet worden.
Die Zeit der Umbrüche
Friedrich II. wollte, wie alle anderen Staufer vor ihm, die
Verselbständigungstendenzen des Adels und dessen Machtstreben
und Besitzansprüche bremsen und sich durch eigene vermehrte
Beteiligung am Burgenbau, Stützpunkte der Raumbeherrschung zu
schaffen. Ein wichtiger Bestandteil seiner Politik, war dabei der
Einsatz von Dienstleuten, die nicht nur über die Stauferburgen
verfügten, sondern sogar mit Unterstützung der Staufer diese
Burgen bauten (z.B. Burg Landsberg). Diese Ministerialen hatten in
dieser Zeit einen bedeutenden Aufstieg, eine Minderheit konnte
dabei die Abhängigkeit von ihrem Dienstherrn lockern und die
Unfreiheit zum Teil abstreifen. Dieses ging schließlich soweit, dass
kurz vor dem Tod von Friedrich II., der zu diesem Zeitpunkt wieder
in Sizilien weilte, im Jahre 1246 die Staufer so dramatisch auf Ihre
Dienstleute angewiesen waren, dass sie praktisch keine Autorität
mehr über Sie hatten.
Auch die Kirche erlebte große Veränderungen. Die
Benediktinerklöster in denen sich lange Zeit Reichtum konzentriert
hatte, verloren viel von Ihrer Kraft. Ihre Wirtschaftsweise die auf
den Erträgen von zu Zins ausgegebenem Landbesitz beruhte war
überholt. Alte Abteien wie Weißenburg oder Münster hatten zwar
noch große Vermögen, aber mit wachsendem Erfolg bemühten sie
sich, ihre Einkünfte auf die Erträge der Grundherrschaft zu
beschränken und die viel größeren Erträge der Bannherrschaft an
sich zu bringen. Ein Musterbeispiel sind die Verträge, die Friedrich
II. 1217 mit St.Fides in Schlettstadt und 1235 mit Münster schloss.
Die Zisterzienser passten ihre Wirtschaftsweise besser dem
Vordringen der Geldwirtschaft an. Auch wurde Ihre Lebensweise
besser respektiert, selbst Friedrich II. wollte in einer
Zisterzienserkutte sterben (H.M Schaller, Die Frömmigkeit Friedrich
II., in: Deutsches Archiv 51, 1995, 493-513 (frz.Übersetzung in:PA
192,2000/3,S. 3-14).
Hatten im 11. Jahrhundert die Staufer das Elsass noch fest im Griff,
so veränderte sich dieses schlagartig als Heinrich VI. 1196 nach
Italien ging. Der unerwartete Tod Heinrichs VI. 1197 führte dazu,
dass der Bischof von Straßburg zum gefährlichsten Gegner der
Staufer wurde, dazu gesellten sich die Grafen von Dagsburg und
der Herzog von Zährigen, gemeinsam besetzten und verwüsteten
sie die staufischen Besitzungen im Elsass. 1198 und 1199 erschien
daher der Staufer Philipp von Schwaben mit einem Heer im Elsass,
zerstörte unter anderen auch die Burg von Graf Albrechts von
Dagsburg und belagerte Straßburg mit Kriegsmaschinen. Der
Straßburger Bischof unterwarf sich, Philipp musste jedoch auf die
staufischen Kirchenlehen verzichten, dieses waren Besitzungen, mit
welchen frühere Bischöfe Friedrich I. belehnt hatte.
Mitten in diesen Umbrüchen findet sich Friedrich II. als er 1212 im
Elsass erschien. Zwar erkannte ihn das Land sofort an, so auch der
neue Bischof Heinrich von Veringen, nur Hagenau musste erobert
werden. Dieses gelang mit Hilfe des Herzogs von Lothringen,
Friedrich versprach dafür 3200 Silbermark, für 1000 Mark
verpfändete er ihm Rosheim. (Huillard I/1,S. 222;RI V/1, 673b und
674).
Bereits 1213 verstarb der Herzog, worauf sein Sohn Thibaud in das
Lager Ottos IV. wechselte. Als Antwort entzog Friedrich II. Rosheim,
ohne jedoch die Pfandsumme zu erlegen. 1218 versuchte Thibaud
den Ort zurückzuerobern, erlitt aber eine so vernichtende
Niederlage, dass Lothringen sich hütete, Friedrich II. nochmals in
die Quere zu kommen.
Der Schlüssel zur Burgenpolitik Friederichs
Als eine Art Schlüssel zur Burgenpolitik Friedrich II. wird dieser
Krieg angesehen, viele Ausbauten und Neubauten dürften Ihre
Ursache in diesem Krieg haben, jedoch war der staufische
Burgenbau auch gegen den Straßburger Bischof gerichtet. Die
kaiserliche Burgenpolitik von Friedrich II. nahm wenig Rücksicht auf
die lokalen Mächte, die im Falle der Wegelnburg die Fleckensteiner
waren. Friedrich II. hatte höhere Ziele, dieses tritt besonders
inmitten des kaiserlichen Machtdreiecks Hagenau-Kaiserslautern-
Trifels hervor. Ziel war es wohl auch, die Besitzungen zu
verschmelzen. Die Wegelnburg war somit ein wichtiger Bestandteil
in einem, sich am Vogesen- und Haardt Rand entlangziehenden,
Befestigungsgürtel (Burgensystem). Als Teil dieses Systems hatte
die Burg eine Art Brückenfunktion, indem sie das
dazwischenliegende Land verwaltungsmäßig erfasste, militärisch
absicherte und mit den anderen kaiserlichen Zentren verbinden
sollte. Ziemlich genau auf halbem Weg, zwischen der Pfalz
Kaiserslautern und der Pfalz Hagenau, in exponierter Lage, dürfte
nach den Vorstellungen von Friedrich II., der richtige Ort für eine
staufische Verwaltungsburg als Höhenburg gewesen sein. Auf
Grund der Größe und der Lage (staufischen Burgen als
siedlungsferne Burgen wurden sehr oft in ausgeprägter Höhenlage
errichtet), musste der Wegelnburg eine besondere Bedeutung
zugekommen sein.
Die Staufer und ihre Ministeriale
Der Bau von Burgen, hatte den Staufern nicht nur erlaubt,
einen steten Druck auf die Angrenzer und deren Vasallen
auszuüben, sondern auch die Zahl der ihnen verpflichteten
Dienstleuten oder Adligen erheblich zu vergrößern. So kam
es, dass auch die Herren von Fleckenstein, wie auch die
Adligen oder Ministerialen von Winstein, Wasigenstein und
anderen, mit Aufgaben betraut wurden, welche ihre stete
Anwesenheit in Hagenau erforderlich machten. Sie
überließen deshalb die Burghut einem Mitglied ihrer Familie,
oder aber auch einem ihnen verpflichteten Burgvogt. Sie
selbst aber hielten sich zumeist in Hagenau auf, wo sie Haus
und Hof und dadurch auch das Bürgerrecht erwarben.
Verlorenes Gut der Staufer
Beinahe von Anfang an seines Aufenthaltes im nördlichen Reich,
war Friedrich darauf aus, verlorenes Gut zurück und neues
hinzuzugewinnen. Er trachtete danach, Kirchenvogteien und
Kirchenlehen in seine Hand zu bekommen, schaltete sich aber
energisch auch beim Aussterben reicher Adelsdynastien ein, um
ihre Reichslehen zu sichern oder Erbansprüche als Verwandter
anzumelden (Der Dagsburger Erbstreit 1225-1230). Nicht immer
ist ihm das gelungen, so versuchte Friedrich II. auch, um die
geistlichen Fürsten für seine italienisch-sizilianische Politik zu
ködern, aus Antipathie gegen die Städte, den ganzen
Entwicklungsstand durch die Edikte von Ravenna und Ulm
aufzuhalten (die fränkischen Gaugrafschaften Seite 35 und Cf.
Schaube Z.O.G.N.F.ff. und Winkelmann, Friedrich II.p.407), doch
der damalige Zeitgeist war stärker. Umso wichtiger dürfte ihm die
Wegelnburg, als eine räumliche Befestigung gewesen sein. Bereits
vor Friedrich II. konnten die Staufer auf eine starke Position im
Weißenburger Gebiet zurückgreifen, wo sie schon als Herzöge die
Vogtei über das Kloster Weißenburg besaßen und daneben die
Entstehung der Stadt Weißenburg mit allen Mitteln vorantrieben
(Werle, H.: Das Erbe des salischen Hauses, S.127 ff.).
Der Zeitpunkt der Erbauung
Es stellt sich die Frage, in welchem Zeitraum hat Friedrich II. den
Auftrag erteilt, die Wegelnburg als neuen Verwaltungsbesitz für
das Wegelnburger Land zu erbauen. Hatte er anfänglich
Differenzen mit den Fleckensteinern, wollte er Ihnen seine Größe
und Überlegenheit beweisen? Friedrich II. Bauinitiative war zu
diesem Zeitpunkt von politisch-militärischen Gesichtspunkten
bestimmt. Ein gutes Beispiel ist die Burg Girbaden (französisch
Château de Guirbaden) bei Mollkirch (Département Bas-Rhin),
welche 1137 als Girbadun urkundlich erstmals erwähnt worden
ist. Die genaue Erbauungszeit ist unbekannt, nachgewiesen ist
jedoch, dass Friedrich I. Barbarossa 1162 die Anlage 1162
zerstören ließ. Wieder aufgebaut ist offen, ob die Burg 1199 von
Phillip von Schwaben abermals zerstört wurde. 1212 nimmt
Herzog Theobald von Lothringen, nach dem Tod von Graf Albert
von Dagsburg, die Burg in seinem Besitz. Er stirbt jedoch bereits
1213, sein Sohn Herzog Theobald begeht jedoch 1218 den Fehler,
Reichsbesitz in Rosheim anzugreifen und gerät somit in Konflikt
mit Friedrich II. Dieser unternimmt im gleichen Jahr einen
Heerzug nach Lothringen und unterwirft Herzog Theobald.
Ähnlichkeiten
1219 beginnt Friedrich II. die heute mit über 200 Metern Länge
und 60 Metern Breite größte Burgruine des Elsass, mit großem
Aufwand aus und umzubauen, ein alte Teil der Burg verblieb
dabei in dagsburgischem Besitz. Die Datierung dieser
Baumaßnahmen ist aus der Einheitlichkeit der
Steinmetzzeichen und den Einzelformen und aus den
Urkunden der Jahre 1219-1226 herzuleiten.( RI V/1 936). Es
entsteht ein pfalzartiger Neubau mit Saalbau und zweitem
Bergfried westlich der alten Anlage, auf einem von mehreren
Bögen überspannten Buntsandstein-Felssockel am Ostende
der Anlage. Die Burg wurde mit einem Aufwand modernisiert,
der einem kaiserlichen Sitz entsprach, denn zu diesem
Zeitpunkt verfolgte Friedrich II. noch das Ziel, die staufischen
und Reichsrechte in dieser Region zu stärken. Der
dagsburgische Erbfall und der dazukommende unbesonnene
Angriff des Herzogs von Lothringen boten ihm die Möglichkeit,
Fuß auf der wohl wichtigsten Hochadelsburg dieses Raumes
zu fassen. Dass dies in der Zeit von 1219 bis 1226 geschah,
1226 überließen Friedrich II. und Heinrich (VII.) ihren Burgteil
dem Bischof von Straßburg, der 1241 auch den
dagsburgischen Teil in seinen Besitz brachte. Dieses ist jedoch
ein anderes Thema.
Die Wegelnburg, der Bau und der politische
Zusammenhang
Der größere politische Zusammenhang der Ereignisse mit dem
Bau der Wegelnburg, ist in keiner Quelle dargestellt, lässt sich
aber erschließen. Nachgewiesen ist, dass Friedrich II. von
Hagenau im Elsass aus, in einem ungeheuren Tempo sein
Erbland nach allen Seiten gesichert hat. Er hatte erkannt, dass
er sein Erbland gegen den Bischof von Straßburg und dessen
Verbündete verteidigen muss. So kamen burgbauenden
Ministerialen zum Zuge, bzw. in den Besitz einer Burg.
Allerdings brachten die neuen Burgengründungen auch eine
Zerteilung des Gebietes mit sich und führten zur Entstehung
von selbständigen Herrschaften. Nur ein Teil verblieb in
Reichsbesitz und bildete bis 1330 das reichseigene Amt
Wegelnburg. Das südlich und westliche daran anschließende
Land, entwickelte sich später zum Herrschaftsgebiet der
Fleckensteiner. Es ist daher keine Überinterpretation, dass die
Burgen des 13. Jh. im Nordelsass ehr den Interessen der
Dienstleute und Ministerialen, als den Staufer selbst, dienten.
Die Erbauung lässt sich datieren
Die Wegelnburg lag zum Zeitpunkt der Erbauung, in der 1.Hälfte
des 13.,Jh., in der Nähe einer wichtigen Straße, welche die
Kaiserpfalzen der Staufer in Hagenau und Kaiserslautern verband.
Auch aus diesem Grunde kam der Wegelnburg auch eine
strategische Bedeutung zu. Der Auftrag zur Errichtung der Burg,
wurde wahrscheinlich in den Zeiträumen der Herbst- und
Wintermonate 1215/16, oder der Winter- und Frühjahrszeit in den
Jahren 1218, 1219, spätesten 1220 erteilt. Bei einer Bauzeit von ca.
8 – 10 Jahren, war die Burg zum Zeitpunkt der Rückkehr von
Friedrich II. aus Sizilien, 1235/36 fertiggestellt. Dieser Zeitraum
lässt sich auch aus den im Jahr 2008 und 2016 auf der Burg
gefundenen Bauteilen, welche zu einem herrschaftlichen
qualitativ hochwertigen Bau aus diesem Zeitraum gehören,
belegen.
1220 im Dezember kehrt Friedrich nach über achtjähriger
Abwesenheit nach Sizilien zurück.
Weitere Indizien für den Zeitpunkt der Erbauung
Weitere Indizien für den Zeitraum der Erbauung der Wegelnburg
sind die folgenden Abbildungen. Die erste Karte zeigt die
Besiedlung des Gebietes um Windstein um 1200, als bekanntes
Beispiel des Biographen Herzog Friedrichs I.
Erfasst sind hier die Burgen Fleckenstein, Windstein, Falkenstein,
Lützelburg, Dagsburg und Trifels. Diese Abbildung ist mit der
nächsten Karte aus dem Jahre 1340 zu vergleichen, hier finden wir
dann die Wegelnburg, in ihrem Umfeld sind weitere 21 Burgen zu
finden. Gegenüber dem Zustand um 1200 sind nur vier
Hofgruppen bzw. Dörfer hinzugekommen, (Wasenburg und Groß-
Arnsberg sind außerhalb des Untersuchungsgebietes).
Die Wegelnburg ist doppelt eingezeichnet, dies könnte ein
Hinweis auf die Burgteile Wachtfels und Krötenstuhl sein. Sofern
die Eintragung (Wegelnburg vor 1246, zweite Eintragung
Wegelnburg ohne Datum) richtig ist, muss daraus abgeleitet
werden, dass die Wegelnburg bereits vor 1246 erbaut worden ist.
Erstmals wird die Wegelnburg 1247 erwähnt, somit muss der
Zeitpunkt der Erbauung, in die Zeit der Herrschaft von Friedrichs
II., gelegt werden.
Die Fleckensteiner als Erbauer
Als Friedrich II. 1235 zum zweiten Mal länger in Deutschland
erschien, diente ihm die Pfalz in Hagenau wiederum als
bevorzugte Residenz, vor allem als Winterquartier. Den Winter
zum Jahre 1236 verbringt Friedrich II. dort jagend, hofhaltend und
studierend. In der zweiten Hälfte des Jahres 1236 zieht sich
Friedrich wieder nach Italien zurück. An der Spitze eines Heeres
das Friedrich II. um die gleiche Zeit nach Italien schickte (1273: J.
de Pange, Catalougue des actes de Ferri III, duc de Lorraine (1251-
1303) 1930, Nr. 447; 1411; LAS F1/105 B1 52, Nr. 22. 1443 (etwas
unsicher); StAD D 21 A 6/4b B1. 8r.) könnte Gottfried von
Fleckenstein, der identisch sein könnte mit Gottfried Puller, der
1241 mit Friedrich II. an der Belagerung von Faenza in der
Romagna teilnahm (RI V/1, Nr. 31393) gestanden haben.
Dieser Gottfried von Fleckenstein, oder Gottfried Puller genannt,
kann man als Erbauer der Hohenburg, die sich in unmittelbarer
Nähe der Wegelnburg befindet, ansehen.
Der Fleckenstein selbst, bereits auf der Karte von 1220 erfasst,
wurde vermutlich um 1000 von Saliern erbaut. Es ist davon
auszugehen, dass die Burg den Handelsweg zwischen den
salischen Besitzungen schützen sollte. Zu Zeiten Friedrich II. war
der Fleckenstein eine Reichsburg und gleichzeitig der Stammsitz
der Fleckensteiner.
1129 wird mit Gottfried I. erstmals ein Herr von Fleckenstein in
einer Schenkungsurkunde erwähnt. Nach dem Machtübergang
der Salier zu den Staufern, sind die Fleckensteiner auch den
Staufern als Treue Vasallen zu Diensten. 1174 datiert die zweite
urkundliche Erwähnung der Brüder Gottfried, Konrad und
Friedrich, die Enkel Gottfrieds I..
1248 wurde Heinrich von Fleckenstein zum Reichsschultheiß von
Hagenau ernannt, das heißt, er wurde der Repräsentant der
Reichsgewalt für den gesamten vom Verwaltungszentrum
Hagenau abhängigen Bezirk. Wenn man weiß, dass in jener Zeit
die Hohenstaufen zumeist in Sizilien residierten, so kann man
ermessen, welche Bedeutung dieses Amt hatte und wie
erheblich es den Einfluss und die Macht der Fleckensteiner
stärkte. Dazu kam noch, dass kurz darauf Konrad von
Hohenstaufen, die Herren von Fleckenstein, ebenfalls mit der
Hut sämtlicher Reichsburgen im Hagenauer Raum betraute.
Damit war auch die Wegelnburg in der Hand der Fleckensteiner.
Als die Staufer aussterben, kommen die Fleckensteiner während
der kaiserlosen Zeit (Interregnum) unter den Druck der Kirche.
Doch wollen sie die staufischen Burgen und Besitzungen nicht
einfach so an die Kirche abtreten. Stattdessen wenden sie sich
an die Markgrafen von Baden und die Stadt Hagenau, deren
Bürger sie seit vielen Jahren sind. So schaffen sie es, ohne
größere Gebietsverluste diese Zeit zu überstehen, sie mussten
jedoch, nach dem Tod Friedrichs II., die von Ihnen besetzten
Burgen Löwenstein, Hohenburg und wohl auch Wegelnburg
herausgeben oder zumindest die Lehnshoheit des Reiches
anerkennen. Dieses würde die Zurückeroberung der
Wegelnburg durch Rudolf von Habsburg erklären. Es lässt sich
jedoch aus diesen Ereignissen kein Zusammenhang mit der
Erbauung der Wegelnburg, durch die Fleckensteiner herstellen.
Die wichtigsten Territorialgewalten im Umfeld der
Wegelnburg
Die wichtigen Territorialgewalten, die im Umfeld der Wegelnburg, im
vorgenannten Zeitraum noch als Erbauer in Frage kommen, sind
schnell aufgezählt. Es handelte sich um das Bistum Straßburg,
Lehensträger des Herzogs von Lothringen und Funktionsträgern
der Pfalz Hagenau. Die "Reichsburgen" des Gebietes können bei
genauer Betrachtung ausnahmslos in die Zeit vor dem Bau der
Wegelnburg gesetzt, bzw. davon in Abhängigkeit gebracht
werden. Dies gilt zuallererst für den Fleckenstein, dessen Herren
zwar bis in das 13. Jh. die Funktion von Burgmannen der Pfalz
Hagenau wahrnahmen, deren Burgen und deren Besitz aber im
Reichsgebiet lagen - also in einer Zeit, wo es noch schwerer war,
sich den königlichen Rechtsansprüchen auf Burgen zu entziehen.
Ohne Zweifel begünstigte die von den staufischen Herrschern in
diesem Gebiet und an der Kaiserpfalz zu Hagenau gewährte
starke Stellung der Reichsministerialen von Fleckenstein die
spätere Entwicklung zur eigenen Territorialmacht und, neben den
Herren von Lichtenberg, zum mächtigsten Adelsgeschlecht im
unteren Elsass.
Bei den Fleckensteiner hat es den Anschein, dass dieses
Geschlecht so fest mit dem Fleckenstein verbunden war, dass der
Fleckenstein selbst und mit ihm auch die zugehörigen Güter und
Liegenschaften, in späteren Jahren nicht mehr als kaiserliches
Lehen, sondern als Eigenbesitz (Allod) der Familie angesehen
wurden. Es ist davon auszugehen, dass die Umgebungen der
Burgplätze Wegelnburg, Hohenburg und Fleckenstein ein
zusammenhängendes Gebiet darstellten, welches vormals aus
Reichsgut, bzw. Königsgut bestand.
Die Konzentration der Burgen im Nordelsass
Die Konzentration der Burgen im Nordelsass ist kaum mit den
Bedürfnissen der Staufer zu erklären, vielmehr dürfte Ihre
Erbauung den Eigeninteressen der Erbauer gedient haben. Die
Ministerialen bauten mehr für sich, als für Ihre Dienstherren.
Unter dem Faktor ihrer Emanzipation bauten sie auf den hier
reichlich vorhandenen Sandsteinfelsen, welche von Natur aus
leicht zu verteidigen waren, ihre Wunschburg. Eingearbeitete
Bautrupps, aus geschulten Steinmetzen und Zimmerleuten,
zogen innerhalb von 7 - 10 Jahre, nach einem vorhandenen
System, mit vergleichsweise geringen Kosten, diese Burgen hoch.
Politische Schwierigkeiten dürften die Erbauer wohl kaum
befürchtet haben, die Gegend war weder strategisch noch
wirtschaftlich sehr interessant.
Was bedeutet dieser rege Burgenbau seitens der Ministerialen.
Da ein Ministeriale per definitionem mit Leib und Gut Eigentum
seines Dienstherren ist, muss seine Burg diesem uneingeschränkt
zur Verfügung stehen. Sie ist auf dessen Befehl und für dessen
Zweck erbaut, und dem Ministerialen nur zur Bewachung
anvertraut. Dieses trifft unbedingt noch für die Zeit der Erbauung
der Wegelnburg zu, ab der Mitte des 12. Jh. hat sich dann die
Abhängigkeit der Dienstherren von ihrem Herren ständig
gelockert.
Es bleibt festzuhalten, dass Friedrich II. wohl ahnte wohin der
Burgenbau der Ministerialen im Nordelsass führen würde, er war
aber so auf diese angewiesen, dass er den Bau nicht verwehren
konnte. Als Zeichen seiner Macht, sozusagen als Gegengewicht,
ließ er jedoch die Wegelnburg erbauen.
Friedrich II. und der Straßburger Bischof
1236 kurz vor seiner Rückkehr nach Italien, vernachlässigte
Friedrich II. die deutsche Politik zu Gunsten der italienischen und
hatte kein Interesse mehr am Burgenbau Er schloss mit dem
Bischof von Straßburg Frieden, verzichtete auf das Dagsburger
Erbe und auf Thann im Elsass und stimmt sonst einem ziemlich
ausgeglichenen Kompromiss zu. Er übernahm Rosheim und
Mülhausen, gab dagegen Zabern und Molsheim an den Bischof
ab. Weiter setzte er Wölfelin als Schultheißen von Hagenau ab.
Dieser hatte etwa ab 1219 als Reichslandvogt im Elsass fungiert
und den Bau der Reichsburgen und die Gründung von
Reichsstädten überwiegend geleitet. Damit wollte wohl Friedrich
II. dem Bischof mitteilen, dass er sich von seiner Baupolitik
abgewendet hat. Sicher erwartete er dadurch eine Neutralität des
Bischofs, wurde aber bitter enttäuscht, denn bereits 1246
beteiligte sich Bischof Heinrich (1244-1259) an der Wahl des
Gegenkönigs Heinrich Raspe, und bis 1248 hatte er die meisten
Reichsgüter am Oberrhein erobert (RBS II 1156-1161, 1174,1260,
1270,1277, usw). 1262 musste allerdings die bischöfliche
Herrschaft, den größten Teil dieser Reichsgüter wieder abgeben.
Es bleibt als Ergebnis aus diesen Ereignissen festzustellen, das
Zeitfenster der Erbauung der Wegelnburg muss vor 1236 liegen.
Die Staufer
erfahren Sie mehr über
Friedrich II. Federico